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Bio im Supermarkt: Eine Verarschung?

We love bio

We love Bio  /  Grafik: Pixabay &  Openclipart  /  Lizenz:  CC0 Creative Commons

Jahr für Jahr verkünden Marktforscher das Wachstum des Biomarktes. Und das nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Deutschland, Frankreich, in den USA – also vor allem in den grossen Industrienationen. Ein Ende des Trends ist scheinbar nicht in Sicht.

Marktwachstum bedeutet zugleich eine höhere Nachfrage. Das Ernährungsbewusstsein sowie das Vertrauen in die Bioproduzenten scheinen zu steigen. Aber leider ist nicht alles Gold was glänzt. Auch nicht im Biomarkt.

Was heisst«bio»?

Unter «bio»verstehen die meisten Leute Produkte und Waren, die biologisch – also naturbelassen und unbelastet – hergestellt wurden. Einfach heruntergebrochen: umweltgerechte Produktion, gute Geschmacksqualität und artgerechte Tierhaltung.

Aber Bio ist nicht gleich Bio. Die Bio-Richtlinien variieren je nach Land. In der Schweiz etwa sind sie strenger als in der EU.

Im Dschungel der Labels

Bio-Produkte sind mit Label gekennzeichnet. In der Vielzahl an Labels gibt es auch unterschiedliche Qualitätsstandards. Um im Dschungel der Bio-Labels eine Übersicht zu schaffen, haben wir die EU-Mindeststandards analysiert.

Wir haben uns bewusst für die europäischen Richtlinien entschieden, da die Schweizer Richtlinien höher gesetzt sind.

Der europäische Mindeststandard (EU-Bio-Siegel)

EU Bio-Siegel Tomatendose

EU Bio-Siegel Tomatendose

Für das europäische Bio-Siegel müssen zwingend folgende Kriterien erfüllt sein:

  • Es ist maximal 0,9 Prozent gentechnisch verändertes Material enthalten.
  • Mindestens 95 Prozent der Inhaltsstoffe kommen aus Bio-Anbau.
  • Bei der Herstellung wird nicht mit mineralischen Stickstoffdüngern und chemisch-synthetischen Pestiziden gearbeitet .
  • Tiere werden artgerecht gehalten. Unter anderem müssen sie Auslauf haben.
  • Tierfutter wird nicht mit Antibiotika angereicht.

Fest steht also, dass der europäische Bio-Mindeststandard nicht wirklich Bio ist.

Fünf Prozent der Inhaltsstoffe können von irgendwo kommen. Und vor allem: Es darf bis zu 0,9 Prozent gentechnisch verändertes Material verwendet werden. Zudem werden regionale Produkte nicht bevorzugt. Kartoffeln aus Marokko oder Israel etwa sind keine Seltenheit.

Dass der europäische Bio-Mindeststandard nicht ganz Bio ist, ist auf politische und ökonomische Entscheidungen zurückzuführen. Wie so oft gilt auch hier: Wirtschaft vor Gesundheit. Grossunternehmen werden bevorzugt gegenüber kleinen, regionalen Lieferanten.

Nicht zu vergessen: Wo viel Geld fliesst, floriert die Mafia. Bio-Geschäfte sind da keine Ausnahme. Nicht-Bio-Waren als bio zu deklarieren, kann ein lukratives Geschäft sein. Solche Praktiken wurden im EU-Raum schon aufgedeckt. Natürlich ist das strafbar. Das Risiko, Opfer von Betrug zu werden, steigt, sobald Massenproduktion und Import im Spiel sind. Beim regionalen Bauer ist das Risiko, verarscht zu werden, hingegen deutlich geringer.

Wie dem auch sei: Der Einkauf von Produkten mit dem EU-Bio-Siegel ist auf jeden Fall schon mal viel besser als Produkte aus der konventionellen Landwirtschaft.

Es gibt aber noch bessere Alternativen.

Anbauverbände Bio-Siegel: Die bessere Wahl?

Die drei Bio-Anbauverbände Naturland, Bioland und Demeter unterscheiden sich vom EU-Bio-Siegel aufgrund Ihrer strengeren Richtlinien. Gemeinsam haben sie vieles – dennoch wollten wir wissen, wer von diesen drei Verbänden der beste ist.

Bioland, Naturland oder Demeter?

Bioland Körniger Senf

Bioland  Senf

Naturland Olivenpaste

Naturland Olivenpaste

Demeter Butter

Demeter Butter

 

 

 

 

 

 

 

Hier die für uns wichtige Kriterien:

  • Alle drei Bio-Anbauverbände verbieten generell gentechnisch veränderte Organismen.
  • Für Bioland und Naturland kann bei der Zutaten-Zusammensetzung einen Grenzwert von 5 Prozent aus konventioneller Herstellung kommen. Diese 5-Prozent-Ausnahme tritt in Kraft, wenn es nicht möglich ist, die Zutat biologisch zu erhalten. Bei Demeter gibt es keine Ausnahme – alles muss 100 Prozent biologisch sein.
  • Demeter verwendet am wenigsten Zusatzstoffe (13), gefolgt von Naturland (20) und Bioland (23).
  • Die Enthornung von Rindern und das Entfernen von Körperteilen bei Tieren ist bei Demeter verboten und bei Bioland und Naturland nicht erwünscht. Falls es bei Letzteren trotzdem erfolgt, dann muss es mit annehmbaren Schmerzen geschehen.
  • Tiertransport sind bei allen drei Anbauverbände generell erlaubt, aber nur über eine Dauer von maximal vier Stunden.

Es gibt noch mehr Unterschiede und unsere Liste ist bei Weitem nicht vollständig. Wenn du mehr darüber wissen willst, schau dir am besten diese ausführliche Tabelle an: Unterschiede zwischen den EU-Verordnung Ökologischer Landbau und den Richtlinien der Anbauverbände Bioland, Naturland und Demeter

Ranking

  1. Platz: Demeter
  2. Platz: Bioland und Naturland (gleichrangig aus unterschiedlichen Gründen)

Unseren Recherchen zu Folge ist Demeter der strengste Bio-Anbauverband. Zudem hat hier die Tierhaltung einen hohen Stellenwert. Bioland setzt dafür auf regionale Produkte und geringe Transportwege. Naturland setzt sich gegen Kinderarbeit ein und zeigt ein hohes internationales soziales Engagement.

Fazit

Das Risiko, verarscht zu werden, ist immer da. Und das in allen Lebensbereichen. Nichts desto trotz ist Bio eine gute Wahl.

Halt – noch was!

Es gibt verschiedene Studien zur Frage, ob Bio gesünder ist als konventioneller Anbau. Die Ergebnisse der Forschung gehen auseinander.

Wir persönlich halten solche Studien für wenig aussagekräftig. Es ist wie bei den Rauchern und Nichtrauchern: Manche Raucher schneiden gesundheitlich besser ab als Nichtraucher. Die Gründe dafür sind vielfältig: Gene, Sport und vieles mehr. Relevant ist aber die Dauer: Wer über zehn Jahre raucht, steht besser da als derjenige, der über 40 Jahre raucht.

Wer glaubt, konventionelle Landwirtschaft sei gesünder als die biologische Landwirtschaft, wird selig.

Zudem ist die Gesundheit nicht das einzige Argument, Bio-Produkte einzukaufen. Es geht auch darum, ein würdiges Leben für die Tiere zu unterstützen und Mutter-Erde Respekt zu zeigen.

Quellen

Mehr Informationen zum EU-Bio-Siegel: https://www.bmel.de/DE/themen/landwirtschaft/oekologischer-landbau/eu-bio-logo.html 

Mehr Informationen zum Bioland-Siegel: http://www.bioland.de/start.html

Mehr Informationen zum Naturland-Siegel: https://www.naturland.de/de/

Mehr Informationen zum Demeter-Siegel: https://www.demeter.de/

 

 

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