Permakultur und die Gelbwestenbewegung Teil 3 / Die gemeinsame Revolution

Permakultur und die Gelbwestenbewegung Teil 2 / Die Forderungen und die Polizeirepression
21. Juli 2019

Permakultur und die Gelbwestenbewegung Teil 3 / Die gemeinsame Revolution

Gilets Jaunes: Arc de Triomphe / Foto: © Gilet Jaune Officiel

Jetzt weisst du eigentlich sehr viel über die Gelbwestenbewegung. Je nachdem, wie dein Verständnis der Permakultur ist, kannst du mehr oder weniger Parallelen ziehen. Permakultur ist per se militant, dem kann nicht anders sein, denn Permakultur trägt sorge auf ihre Umgebung, alle Lebewesen und arbeitet mit der Natur zusammen. Der Hintergrund ist nicht Profitmaximierung, sondern Wohlwollen für unsere Erde. Die Erträge sind ein Nebeneffekt. Wie beim Kyudo (japanische Kampfkunst mit Bogenschiessen), ist es nicht wichtig, zu treffen – es geht um unsere innere Haltung. Öfter wird das Resultat viel ertragreicher, als wir es uns erhofft haben, wenn wir Acht geben auf unseren Umgang mit Mutter Erde.

Permakultur ist Anti-System und eine der schönsten und friedlichsten Arten des Widerstands, um dem Systemwahnsinn standzuhalten. Wir wollen dir aufzeigen, dass das rebellische Gärtnern eine ehrenwerte Tätigkeit und eine innere Bereicherung ist.

Widerstand im Garten

Karl und ich haben schon festgestellt, dass wir als Exoten im Garten betrachten werden. Während bei den anderen alles schön und ordentlich aussieht, sieht es bei uns wild aus und ständig wird der Boden mit Mulch bedeckt. Wir benutzen kein blaues, giftiges Granulat gegen Schnecken und experimentieren ständig. Dies alles symbolisieren wir mit unserer Garten-Piratenflagge 🙂

Dieser rebellische Garten hat Neugier und Begeisterung bei manchen geweckt sowie Kopfschütteln bei anderen. Wir versuchen, unseren Gärtner-Nachbarn zu erklären, was wir genau machen und warum Permakultur sinnvoll ist für unser Öko-System. Die meisten Gärtner haben Interesse gezeigt, obwohl bis jetzt keiner seinen Garten in einen Permakultur-Garten umgewandelt hat.

Die meisten sind auch Menschen, die 40 Jahren Hobby-Gärtner-Karriere hinter sich haben, und etwas Neues anzufangen ist auch nicht so einfach, obwohl es natürlich nie zu spät ist. Die Permakultur und Ihre Tugend haben es verdient, weiter unter den Gärtnern bekanntgemacht zu werden. Schlussendlich sind wir von allen akzeptiert worden und haben frischen Wind in den Schrebergarten gebracht.

Permakultur und Gelbwesten: Zusammenkunft einer Gemeinsamkeit

Permakultur und System sind völlig inkompatibel und du wirst gleich verstehen, warum dem so ist. Eine erste Feststellung ist, dass die Permakultur der Natur und den Lebewesen, unabhängig davon, ob Mikroorganismen, Pflanzen, Insekten, Tieren oder Menschen, sehr viel Achtung schenkt. Schon da ist genügend Diskrepanz mit dem System vorhanden. Das System fragt: „Wie kann ich kurzfristig viel ernten, um Geld zu erwirtschaften?“ Die Permakultur fragt: „Wie kann ich langfristig genügend Ernte für alle erwirtschaften?“

Die Ziele gehen total auseinander. Die Produktion des Systems kämpft gegen die Zeit, um möglichst viel zu erwirtschaften in einem kurzen Zeitraum – das bedeutet auch, über Leichen zu gehen. Giftmittel, ausgelaugte Böden und Verschwinden der Biodiversität sind unter anderem die Resultate. Die Permakultur ist das genaue Gegenteil, denn sie benutzt keine Giftmittel, die Böden werden weder mit Giften noch mit Umgraben zerstört, die Biodiversität wird mit allerlei natürlichen Techniken kräftig unterstützt und der Aufwand im Garten wird durch die natürliche Regulierung der Natur auf ein Minimum gesetzt.

Die Gelbwesten in ihrer Mehrheit lehnen das Diktat der Multinationalen ab, wollen lokales Gemüse und lokale Früchte kaufen können, lehnen Gift und Gentechnik ab und achten auf die manchmal unerträglichen Arbeitsbedingungen von Menschen. Der Permakulturist, der auf das Ökosystem Acht gibt, wird genauso wie alle Menschen von einer Öko-Steuer bestraft, während die Multinationalen das Ökosystem zerstören und nicht zur Kasse gebeten werden.

Die Permakultur bietet die ersehnte Freiheit, die auch viele Menschen fürchten, weil sie nicht bevormundet und keine Führer hat. Es geht um Selbstversorgung, Unabhängigkeit und eben die Freiheit. Das System wiederum will, dass wir abhängig bleiben. Das heisst, dass wir uns nicht selber versorgen können. Das System geht so weit, dass sich selbst zu versorgen verboten ist, dass alte, natürliche, kräftige Samen verboten sind, dass Brennnesseljauche unerwünscht ist und das wir uns schlussendlich in die Reihen der Schafe stellen und stillschweigend Monsanto-Produkte konsumieren sollen. Wir sind vom System unselbständig gemacht worden, um vom Markt abhängig zu werden. Wer kann heute noch ein Feuer entfachen oder essbare Pflanzen in der Natur erkennen?

Zudem ist Permakultur ein soziales Gut, denn wir sollen uns nicht bekämpfen, sondern uns gegenseitig helfen und Sorge für unsere Mitmenschen tragen. Ohne diese Herzensgüte können wir nichts verstehen, weder den Menschen und seine Bedürfnisse noch die Klänge und der Rhythmus der Natur.

Die Gelbwesten und die Permakulturisten sehnen sich nach Freiheit, möchten von ihrer Arbeit und deren Früchten leben. Sie wünschen sich eine Welt in Harmonie, ohne die zerstörerischen Kriege und wollen in Einfachheit und Selbständigkeit leben. Natürlich ist das pauschalisiert ausgedrückt – aber die Forderungen der Gelbwesten sind sich sehr ähnlich.
Erinnere dich an die Forderungen der Gelbwesten und vergleiche sie mit den Werten der Permakulturisten. Nimm zum Beispiel die Forderungen des Frexit: Enthält die Selbstständigkeit und die Freiheit. Oder die der RIC: Verstärkt den sozialen Kontakt und die Mitentscheidung aller zu wichtigen Themen wie Umwelt. Und schlussendlich stützen sich die Gelbwesten auf das höchste Gut der französische Revolution: Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Dieses Gut haben die Permakulturisten in ihrem Alltag mit der Natur selbstverständlich verinnerlicht.

Die Revolution gemeinsam und die Gestaltung des Danach

Dies ist ein Aufruf an alle Permakulturisten, sich den Gelbwesten anzuschliessen. Liebe Permakulturisten, ihr seid de facto Gelbwesten und wir befinden uns an einem Wendenpunkt der Geschichte. Es gab noch nie so eine ehrenwerte Bewegung und es ist an der Zeit, das System zu stürzen. Wir haben keine Zeit mehr und diese Chance kann die letzte sein für die Menschheit.

Wir brauchen Gelbwesten, brauchen Hilfe. Ihr könnt an Demos kommen, an Blockierungen teilnehmen, Essen, Getränke oder moralische Unterstützung an den Kreisel bringen, im Alltag eure Mitmenschen darüber aufklären, was die Gelbwesten wirklich sind, ein Gelbweste oder Flagge im Garten aufhängen, euch in den sozialen Medien austauschen oder einfach fragen, wie man helfen kann. Mit einem bisschen Kreativität findet ihr leicht heraus, wie ihr diese Bewegung unterstützen könnt.

Wichtig ist auch, während der Revolution konkret am „Danach“ zu arbeiten. Die Gelbwesten haben in Frankreich in allen Departementen angefangen, die Verfassung neu zu schreiben (gilets jaunes constituants). Dieser Vorgang wird zum Austausch und das Volk macht aktiv mit. Dies gibt auch eine unglaubliche Kraft, denn man visualisiert sich eine Zukunft, in der der Sieg bereits stattgefunden hat.

Permakulturisten können am Danach auch mitwirken. Mit Programmen zur Selbstversorgung, natürlichem Gärtnern, mit dem Aufbau einer neuen Welt, mit einem Austausch mittels RIC, mit einer weit flächendeckenden Permakultur-Landschaft für die Vielfalt und eine zukünftige gesunde Ernährung mit reichen Böden. Viele Ideen können da entstehen.

Schliesst euch Permakulturisten an und danach verbindet euch mit den Gelbwesten, die an der Verfassung arbeiten. Sie sind mit einer Suchmaschine im Internet leicht ausfindig zu machen. Und ja die Gelbwesten-Bewegung ist weltweit und in eurem Land könnt auch ihr sie starten. Lasst euch von der Gilets jaunes constituants inspirieren und wenn ihr Französisch nicht versteht, gibt es auch Übersetzungsmittel im Internet. Zusammen schaffen wir es noch besser und noch schneller.

Fazit

Die Gelbwesten repräsentieren das Licht der Welt, den Sonnenschein, der mit seinen wärmenden Strahlen die Dunkelheit zu leuchten bringt. Die Menschheit leidet überall, und wenn Menschen nicht glauben, dass sie leiden, sind sie glückliche Sklaven, die am Leben selbst vorbeileben. Wachen wir alle auf, stehen wir auf und noch mehr, denn jeder von uns ist auf einer unterschiedlichen Bewusstseinsebene und lernt immer weiter. Lasst uns die Menschen nicht kritisieren, die sich in einer unteren Bewusstseinsebene befinden. Erinnere dich: Du warst auch mal ein Schaf des Systems, oder?

Kämpfen wir mit einem reinen Herzen gegen das System, denn aufgrund dessen werden wir siegen. Es ist unsere letzte Chance, aus der vorprogrammierten ökonomischen Katastrophe und dem progressiven Untergang von Mutter Erde endgültige Freiheit zu erlangen. Für ein Leben in Würde und für die Menschheit.

Noch eine Bitte. Es bleibt uns nicht mehr viel Zeit. Trete den Wiederstand an, bevor es zu spät ist.
Es lebt die Revolution!

Manifest der Gelbwesten Schweiz

Hier Klicken ►►►

Video

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.