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Gleichgültigkeit eines täglichen Mords, Teil 1

Kuh am weinen

Kuh am weinen / Foto: © Denis Vila

Ist Fleisch essen moralisch vertretbar?

„Bist du Tierlieb?“ Würden man eine Umfrage zu dieser Frage durchführen, würden die meisten Menschen mit Ja antworten. Trotzdem haben sie beim Nachtessen Fleisch auf dem Teller. Unser Verhältnis zu Tieren ist paradox.

Nicht so weit von unserem bequemen und sicheren Zuhause entfernt werden täglich schweizweit 150’000 Nutztiere für unseren Konsum ermordet. Ich erspare dir die weltweite Statistik.

Die Tötung bestimmter Nutztiere ist völlig legal und für die meisten Menschen ganz normal. „Schliesslich müssen wir uns ernähren“, argumentieren manche. Das ist aber kein Argument – denn wir verfügen über andere Optionen, um unseren täglichen Bedarf an Protein zu gewährleisten.

Der Speziesismus hat uns eingetrichtert, dass Tiere nicht gleich Tiere sind, und dass eine Katze mehr Wert ist als etwa einen Schwein. Vermutlich, weil die Katze nicht auf unserem Speisenplan steht. Fest steht aber, dass beide Tiere leben wollen und fühlen können.

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Sind Menschen und Tieren unterschiedlich?

Ja und nein. Auch wenn wir uns beim Aussehen, Hobbys, Kommunikation etc. nicht ähnlich sind, sind wir es in unserem Empfinden. Sowohl Menschen als auch Tiere haben eine Persönlichkeit, reagieren auf Stress und Schmerzen und können Empathie empfinden.

In diesem Sinn sind wir uns ähnlich – und diese Form der Ähnlichkeit ist ausschlaggebend: Der ganze Reichtum unseres Seins liegt in unserer Fähigkeit, etwas empfinden zu können. Wer hat nicht schon beobachtet, wie Tiere miteinander spielen? Oder die Geschichte gelesen von einer Rettung eines Ertrinkenden durch einen Delphin? Vielleicht weniger bekannt ist, dass Tiere weinen und schreien oder tierisch Angst haben können. Hier könnten die Mitarbeiter eines Schlachthofs gut mitreden.

Wenn du einem Nutztier Empathie zeigst, wird es dir bald blind vertrauen und dich bedingungslos mögen. Oft werden Nutztiere in kleinen Höfen mit Namen getauft und wissen nicht, dass sie irgendwann als Mahlzeit auf einem Teller landen. In kleinen Höfen werden Tiere oft besser behandelt als in grossen – an ihrem Schicksaal ändert sich aber nichts.

Am schlimmste finde ich es, wenn eine Kalb geschlachtet wird. Das Bild eines Kalbes, das die Finger seines Peinigers leckt, hat mich sehr geprägt. Ein Kalb ist einfach ein Kind.

Du kannst nicht gefühlslos dieser Thematik umgehen – ausser, du bist ein Unmensch oder wurdest vom System unsensibel gemacht. Dies führt uns zur nächsten Frage.

Sollen wir den Tiere zuliebe auf Fleisch verzichten?

Du wirst vermutlich staunen, wenn ich dir sage, dass ich Fleisch esse. Wie viele von uns komme ich aus einer Familie, die Fleisch isst. Viele Spezialitäten sind aus Fleisch gemacht und bei unseren Familienfesten spielen Spezialitäten eine wichtige Rolle, um Menschen zusammenzubringen. So haben wir es gelernt – ohne uns zu fragen, ob es das Tier nicht anders hätte haben wollen. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und benötigt viel Zeit, um umzudenken und neue Erkenntnisse in die Tat umzusetzen.

Auf die Frage, ob wir Menschen auf Fleisch verzichten sollten, antworte ich mit einem klaren Ja. Du wirst vielleicht denken, dass ich ein schlechtes Beispiel bin.

Das stimmt aber nicht: In die Richtung der Fleischlosigkeit sollen wir uns bewegen. Und wenn immer mehr Menschen das tun, ist das ein riesiger Schritt nach vorne. Meinen Fleischkonsum habe ich massiv gesenkt. Ich esse Fleisch bei Familienfesten und manchmal im Restaurant. Aber auch im Restaurant muss es nicht sein. Wenn ich ausnahmsweise Fleisch kaufe, dann nur aus biologischen Anbau. Im Restaurant oder bei einer Einladung ist das Fleisch leider nicht immer biologisch. Bio-Fleisch hat den Vorteil, nicht aus Massentierhaltung zu kommen. Massentierhaltung heisst: Die Tiere können sich gar nicht bewegen. Dies verursacht Seuchen. Und um den Seuchen entgegenzuwirken, wird Antibiotika eingesetzt. Das ist nicht nur schlimm für die Tiere, sondern auch für die Gesundheit der Menschen.

Bei einer Diskussion in einem Biobauernhof habe ich was Schönes erlebt. Der Hofverantwortliche tötet seine Tiere selbst und erzählte mit Tränen in den Augen, dass er seine Tieren um Entschuldigung bittet.

Wir alle sollten unseren Fleischkonsum massiv senken. Nur biologisches Fleisch kaufen. Und allen unseren Bekannten Fotos oder Videos von leidenden Tieren zeigen – das ist oft wirksam.

Fazit

Du bist kein schlechter Mensch, wenn du Fleisch isst. Das Wichtigste ist, selber zu denken und zu fühlen. Du musst nicht Vegetarierin oder Veganer werden. Aber dich in diese Richtung zu bewegen, ist ein Muss. Nur Unbewusstsein und Unwissenheit führt zu Gleichgültigkeit. Es ist ein Teil der Evolution, gegen den Strom zu schwimmen.

Wir Menschen haben kognitive Fähigkeiten, die uns ermöglichen, Dinge zu tun, zu denen Tiere nicht fähig sind. Wir haben die Macht über das Tierreich. Es ist so einfach, ein Tier zu töten, sein Gebiet zu beschlagnahmen. Wir haben die totale Macht über die Tiere – deswegen ist auch unsere Verantwortung sehr gross. Als Menschen haben wir die Pflicht, alle Tiere zu würdigen und schützen.

Video

Nächste Woche in Teil 2 von Gleichgültigkeit eines täglichen Mords erfährst du, ob Fleisch gesund ist und wir erklären dir den Unterschied zwischen vegetarisch und vegan.

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